Hogwarts in Haslach

Erschienen am 19. Juli 2026 in Chronik
Der Aufbau und ein magischer Lagerstart
Wochenlange Planung, stapelweise Bastelmaterial und jede Menge kreative Ideen: Zum ersten Mal, soweit wir uns alle erinnern können, stand unser Pfingstlager unter einem gemeinsamen Motto. Aus dem Jugendzeltplatz in Haslach bei Dürrwangen wurde eine Außenstelle von Hogwarts.






Los ging es bereits am Donnerstag vor Pfingsten. Eine zehnköpfige Vorhut aus Leitern und Rovern machte sich auf den Weg, um den Zeltplatz für alle vorzubereiten. Innerhalb weniger Stunden standen fünf Nevadas, drei Küchenzelte, eine Schlafjurte und eine Großjurte. Dann wurde es kreativ. Alles, was in den Wochen zuvor gebastelt und vorbereitet worden war, bekam endlich seinen Platz. Aus dem Essenszelt wurde die „Große Halle“, die Großjurte verwandelte sich in ein gemütliches Themenzelt und wer den Platz betreten wollte, musste erst einmal durch das legendäre „Gleis 9 ¾“. Über den ganzen Zeltplatz verteilt warteten kleine Details darauf, entdeckt zu werden. Kleine Spinnen wiesen den Weg zu den Toiletten, eine riesige Spinne sorgte für den einen oder anderen überraschten Blick, Dementoren schwebten im Wald, zwei Fotostationen luden zu Erinnerungsfotos ein und der Hauself Dobby hieß alle herzlich willkommen.






Am Freitagnachmittag trafen schließlich die restlichen Teilnehmer ein und der Zeltplatz füllte sich schlagartig auf 69 Personen. Nachdem alle ihre Schlafplätze eingerichtet und gemeinsam zu Abend gegessen hatten, stand direkt das erste Highlight auf dem Programm: die Einteilung in die vier Hogwarts-Häuser. Schon einige Tage vor dem Lager hatten die Kinder einen kleinen Test gemacht, anhand dessen die Leiter die Häuser möglichst fair und gleichmäßig zusammengestellt hatten. Um das alles noch magischer zu gestalten, durften auch die passenden Verkleidungen nicht fehlen. Die Leiter schlüpften in die Rollen verschiedener Hogwarts-Professoren und sorgten damit gleich zu Beginn für die richtige Stimmung. Damit beim Punktesammeln niemand schummeln konnte, gestaltete sich jeder seinen eigenen Haus-Button.




Das Motto war nämlich nicht nur eine schöne Kulisse, sondern zog sich durch die gesamte Woche als dauerhaftes Spiel. Die Kinder konnten für ihr Haus Punkte gewinnen oder bei Fehltritten eben auch wieder verlieren. Wer nebenbei noch Lust auf Beschäftigung hatte, konnte sich an den „Sidequests“ austoben. Das waren kleine Zusatzaufgaben, für deren Erledigung es zusätzliche Hauspunkte gab. Außerdem hieß es Augen aufhalten: Es waren überall auf dem Zeltplatz kleine Schlüssel versteckt, deren
Fund das Punktekonto des eigenen Hauses wachsen ließ. Hogwarts war bereit für das Abenteuer!

Zauberstäbe, Quidditch bei 30 Grad im Schatten
Unser Pfadfinder-Hogwarts in Haslach stand, die Häuser waren eingeteilt und pünktlich zum Lagerbeginn zeigte sich auch der Sommer von seiner heißesten Seite. Schon von Beginn an machte uns die Hitze ordentlich zu schaffen. Das Programm musste zwar immer wieder angepasst werden, der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch.

Der Samstagmorgen startete glücklicherweise noch im angenehmen Schatten mit verschiedenen Workshops. Die Kinder knüpften Armbänder, verzierten sich mit Glitzertattoos und bewiesen beim Schnitzen und Verzieren der eigenen Zauberstäbe ihr handwerkliches Geschick. Ein Höhepunkt war das Basteln von Patronus-Anhängern. Die Kinder zeichneten ihre magischen Schutzwesen auf spezielle Schrumpffolie, die sich dann mit einem Heißluftföhn wie durch Zauberei auf Schlüsselanhänger-Größe
zusammenzog.





Am Nachmittag wurde es sportlich. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen stand das große Quidditch-Turnier auf dem Programm. Die vier Häuser gaben alles, um den Schnatz zu fangen und Punkte für ihr Haus zu sammeln.


Damit bei der Hitze nichts passierte, legten wir immer wieder Schattenpausen ein. Unsere Rettung war eine improvisierte Gartendusche, die gefühlt im Dauereinsatz lief und für die nötige Abkühlung sorgte. Und weil Trinken bei dem Wetter überlebenswichtig ist, wurde das Spiel „Flunkyball“ zum Gesundheits-Booster umfunktioniert. Statt kühlem Blondem wurde mit Wasser oder Apfelschorle im Becher gespielt. Das sorgte für jede Menge Ehrgeiz, die Becher waren schnell leer und die Leiter konnten sich sicher
sein, dass alle trotz der Hitze genug tranken.




Richtig spannend wurde es dann aber, als die Kinder eigentlich schon im Bett lagen. Unter Pfadfinderstämmen gehört der Bannerklau seit vielen Jahren zu einer beliebten Tradition. Und an diesem Wochenende hatten es gleich zwei Stämme auf unser Heiligtum abgesehen! In der Nacht von Samstag auf Sonntag versuchte der Stamm Nördlingen sein Glück. Nur durch pure Wachsamkeit und in allerletzter Sekunde konnten wir das Banner retten. Wer dachte, das war’s, wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag eines Besseren belehrt: Da schlich sich der Stamm Burgau an. Aber auch hier hatten wir vielleicht etwas mehr Glück als Verstand und konnten das Banner gerade so zurückholen. Zweimal Glück gehabt! Ein fettes Danke an die Stämme Nördlingen und Burgau für diese schlaflosen Nächte, ihr habt uns wirklich viel abverlangt!
Nach dem sportlichen Samstag und den spanenden Nachtaktionen stand der Sonntag ganz im Zeichen unserer langjährigen Tradition…
Mit Steinen im Rucksack und Gänsehaut am Lagerfeuer
Wer bei Pfadfindern nur an Kekse verkaufen und gemütlich am Feuer sitzen denkt, liegt meilenweit daneben. Der Sonntag ist bei uns traditionell der Tag der Wahrheit: Die großen Prüfungen stehen an, um in die nächste Altersstufe aufzusteigen. Für viele ist das jedes Jahr eines der Highlights des Pfingstlagers. Nicht nur die Prüflinge fiebern diesem Tag entgegen, sondern der ganze Stamm ist gespannt, was sich dieses Mal ausgedacht wurde. Und für die Älteren unter den Kindern fing dieser Tag schon an, bevor
der Rest überhaupt ins Bett ging.


Für unsere sechs angehenden Rover ging das Abenteuer nämlich schon am Samstagabend los, und zwar völlig unerwartet. Ohne Vorwarnung wurden sie weit entfernt vom Zeltplatz im Dunkeln ausgesetzt und mussten sich nur mit Karte, Kompass, Taschenlampe und einem Notfallhandy den Weg zurück ins Lager suchen. Je nachdem, wie viele Fragen zum Pfadfinderwissen sie zuvor beantworten konnten, bekamen sie
unterschiedlich viele Steine als Lernerinnerung mit auf den Weg. Am Ende kamen alle sechs, manche mit etwas mehr Ballast, manche mit weniger, erschöpft, aber glücklich am Platz an.
Währenddessen begann auch die Leiterprüfung mitten in der Nacht: Um Punkt drei Uhr nachts traf es die zehn angehenden Leiter. Sie wurden unsanft durch einen simulierten Feuerwehr-Alarm aus den Betten geholt. Nach einer kurzen Autofahrt wurden sie ebenfalls im Dunkeln ausgesetzt. Auch hier waren sie nicht weiter ausgerüstet als mit Karte, Kompass, Taschenlampe und Notfallhandy. Ihre zusätzliche Aufgabe war es, den Rückweg so zu navigieren, dass sie pünktlich zum Morgen das Frühstück beim Bäcker abholen können und mit ins Lager bringen. Ganz pünktlich klappte das zwar nicht, dafür schmeckten die frischen Semmeln nach dieser Nacht umso besser. Über das gesamte Lager hinweg mussten die angehenden Leiter außerdem verschiedene Aufgaben meistern und zeigen, dass sie bereit sind, Verantwortung im Stamm zu übernehmen.


Tagsüber stellten sich dann auch die jüngeren Kinder ihren jeweiligen Stufenprüfungen
und bewiesen, was sie in den vergangenen Jahren gelernt hatten.


Als die Sonne schließlich unterging, folgte der unumstrittene Höhepunkt des Lagers: der große Stufenwechsel am Lagerfeuer. Diese Zeremonie sorgt jedes Mal für absolute Gänsehaut und zeigt, wie tief die Verbundenheit im Stamm ist. Im Schein der Flammen wurde der Abschiedsbrief des Pfadfinder-Gründers Sir Robert Baden-Powell verlesen, bevor die Versprechen abgelegt wurden. Das Besondere daran ist, dass dieses Versprechen ein ganzes Leben lang gilt. Die Älteren erneuerten ihr Versprechen stolz und die angehenden Leiter fügten noch ganz eigene, persönliche Vorsätze für ihre neue Aufgabe hinzu. Am Ende wechselten 12 Kinder und Jugendliche in die nächste Stufe (2 neue Jungpfadfinder, 4 Pfadfinder, 6 Rover) und stolze 10 neue Leiter wurden in der Runde begrüßt. Ein emotionaler Abend, der danach noch lange am Feuer gefeiert wurde.









Nach diesem ereignisreichen Sonntag ging das Lager in die zweite Hälfte. Warum ein
geplantes Turnier ins Wasser fiel und was es mit einer nächtlichen Jagd auf sich hatte,
erfahrt ihr im nächsten Kapitel.
Von ausgefallenen Turnieren und der Jagd nach Horkruxen
Nach dem emotionalen Marathon am Sonntag sollte der Montag eigentlich der Tag der großen Spiele-Highlights werden: Geplant war das legendäre „Trimagische Turnier“ aus der Harry-Potter-Welt, bei dem verschiedene magische Rätsel und Aufgaben auf die Häuser warteten. Aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Ausnahmsweise mal nicht durch Regen oder Gewitter.
Obwohl die Temperatur nicht einmal viel höher stieg als an den Vortagen, steckte uns die anhaltende Hitze inzwischen allen ordentlich in den Knochen. Die Luft war heiß, die Energie im Keller und jede Bewegung einfach nur anstrengend. Um kein Risiko einzugehen, entschieden wir uns, das Turnier abzusagen. Stattdessen machten wir den Montag zum großen Chilling-Tag und die Kinder wurden dabei kreativ!





Im Schatten entstand ein kleiner Beauty-Salon, in dem Haare geflochten, Frisuren ausprobiert und sogar entspannende Massagen verteilt wurden. Andere malten Mandalas, spielten Karten oder genossen einfach die Zeit miteinander. Natürlich lief auch unsere improvisierte Gartendusche wieder fast ohne Pause und sorgte immer wieder für die nötige Abkühlung von außen.
Erst als die Sonne endlich untergegangen war und es abkühlte, wurde es nochmal richtig spannend. Ausgerüstet mit Taschenlampen machten wir uns auf den Weg zu einem Nachtspiel und anschließend zu einer Nachtwanderung durch den Wald. Die Mission war klar: Voldemorts versteckte Horkruxe aufspüren. Mit viel Teamarbeit und einem guten Spürsinn gelang es allen, die versteckten Gegenstände aufzuspüren und zurück zum Lager zu bringen. Dort wurden sie anschließend feierlich im Lagerfeuer vernichtet. Passend zum Motto wartete danach noch eine kleine Harry-Potter-Snackbar auf alle Teilnehmer.




Der Dienstag brachte dann eine große Veränderung. Für die Hälfte der Gruppe war das Abenteuer hier vorbei, der offizielle erste Abreisetag stand an. Nach einer großen Packaktion und ein paar Abschiedstränen schrumpfte unsere Truppe auf rund die Hälfte zusammen. Die übrig gebliebenen Zauberschüler nutzten den Nachmittag, um nach den ereignisreichen Tagen etwas durchzuatmen und das Lagerleben in kleinerer Runde zu genießen.


Die Zelte waren leerer, aber das Lager noch lange nicht vorbei! Im letzten Kapitel lest ihr, warum unsere Kekse auf dem Feuer landeten und wie wir die letzte Nacht verbracht haben.
Ein Weiher-Ausflug, Getränke-Yoga und eine Nacht unter den Sternen
Da waren wir also: Die Truppe war auf die Hälfte geschrumpft, aber die Motivation für die letzten Tage in Haslach immer noch riesig. Die letzten gemeinsamen Tage in Haslach sollten noch einmal einige besondere Momente bereithalten.
Am Mittwoch ging es auf ein Abenteuer abseits des Zeltplatzes. Nach einem gemütlichen, 40-minütigen Spaziergang erreichten wir einen wunderschönen Weiher. Die Freude über die Abkühlung im Wasser war nach den heißen Tagen riesig! Während einige auf dem Spielplatz tobten, gönnten sich andere ein kleines Nickerchen im Schatten oder nutzten das Wassertretbecken zur Erfrischung.






Am Abend wurde dann experimentiert. Statt Stockbrot sollte es dieses Mal Stock-Cookies geben. Klingt lecker, war in der Realität aber eine Vollkatastrophe. Der Teig war einfach unmöglich am Stock zu halten, wurde durch die Hitze weich und einer nach dem anderen verabschiedete sich mit einem leisen Zischen direkt in die Glut. Gelacht wurde beim Anblick der nackten Stöcke trotzdem jede Menge.


Am Donnerstag starteten wir mit einer Runde „Getränke-Yoga“ in den Tag. Eine Mischung aus Dehnübungen und regelmäßigem Trinken, die nicht nur für gute Laune sorgte, sondern bei den sommerlichen Temperaturen auch ihren Zweck erfüllte. Anschließend begann für die verbliebenen Leiter und Rover bereits der Teilabbau des Zeltplatzes. Zelt für Zelt verschwand, bis am Ende nur noch ein Nevada, das Dach der Schlafjurte und das Essenszelt standen. Der restliche Zeltplatz sah quasi schon wieder wie leergefegt aus. Ein Grund für den frühen Abbau war ein ganz besonderer: Die meisten der Gruppe hatten beschlossen, die letzte Nacht gemeinsam unter freiem Himmel zu verbringen.


Nach einem gemütlichen (und dieses Mal erfolgreichen) normalen Stockbrotabend am Lagerfeuer kuschelten sich die meisten mit ihren Isomatten und Schlafsäcken auf den Platz und schliefen unter dem Sternenhimmel ein. Ein unbeschreiblich schöner Moment der Gemeinschaft und der perfekte Abschluss für die magischen Hogwarts-Tage.


Am Freitag folgte schließlich der finale Abbau. Dank der guten Vorbereitung vom Vortag mussten nur noch die letzten Kisten in den Hänger geladen, der Platz auf den letzten Müllschnipsel kontrolliert und die Autos gepackt werden. Dank der tollen Zusammenarbeit aller Beteiligten war das in kürzester Zeit erledigt. Zurück in Elchingen gab es für einige noch eine spontane Abschlussparty, bevor dieses heiße, magische und unvergessliche Pfingstlager endgültig zu Ende ging.



Ein herzliches Dankeschön gilt allen Planern, Helfern, der Vorhut und natürlich unseren Kindern und Jugendlichen, die dieses Pfingstlager zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.
Gut Pfad!
